Und Tschüüüüüß

10Mai2017

Ihr Lieben - aufgrund besserer Nutzerfreundlichkeit bin ich auf folgende Plattform gewechselt:

juliasabenteuer.jimdo.com

Darf ich bitte für immer bleiben?

28April2017

Ja, ja, ja ich weiß, im letzten Post hatte ich noch versprochen bald einen Eintrag zu schreiben, doch dann kam das Leben dazwischen. Aber so sollte es ja auch sein: leben, leben, leben. Mir fiel eben auf, dass ich seit meinem Besuch in Deutschland nichts mehr über meien Erlebnisse hier berichtet habe. Aber seitdem war es ehrlich gesagt verrückt - ich hatte Abgaben in der Uni, gefolgt von Wochenden an denen ich einen Segelkurs gemacht habe, unsere Einweihungsfeier für unser Haus (in dem bald auch schon die Abschiedsparty steigt :(), unzählige Ausflüge ans Wasser, unzählige Stunden in der Bibliothek und im Bibliothekscafé sowie wunderbare Abende und Nächte mit Freunden. Ende März hatten wir vom Segelclub aus ein formelles Dinner - eine (un)vergessliche (viel Wein) Nacht. Die letzten drei Wochen waren sehr aufregend und ereignisreich. Ich hatte seit Ende März drei Wochen Osterferien. In der Zwischenzeit standen Strandbesuche auf dem Programm, der Besuch meiner Mutter, der mit vielen Ausflüge verbunden war sowie der Segeltrip nach Frankreich. Puhhh mir geht jetzt immernoch die Luft aus beim Aufzählen der Dinge, die ich so gemacht habe in den letzten Wochen - verrückt. Aber damit ihr auch wisst, dass ich fleißig studiere: ich bin seit Tagen nur noch in der Bibliothek und sehe das Tageslicht nur durch das Fenster und wenn ich morgens aus dem Haus gehe.

Aber von vorne: nachdem ich aus Deutschland zurückgekommen bin (5 Uhr morgens) startete der erste Tag des Segelkurses. Ich lernte ein paar Knoten und bin gleich mit dem Boot gekentert...aber das ist wohl beim Dinghy Segeln normal. Meine Mitbewohnerin hatte Freunde zu Gast und so ging es am Abend gleich wieder in Plymouth's Nachtleben...

Am Wochenende darauf hatten wir unsere Einwihungsfeier: Ein Abend der für mich um Mitternacht endete. So ist das wenn man mit jedem Gast unbedingt Pfeffi trinken muss - aber den Gästen hat es gefallen - und so geht unsere Hausparty wohl in die Geschichte ein (hoffentlich).

Die Wochentage waren gefüllt mit Uni und Tagen in der Bibliothek - unglaublich spannend. An den Wochenenden trieben wir uns auf Parties herum - von 90er Hausparties bishin zu St. Patrick's Day Parties war alles dabei.

Am letzten Märzwochenende fand ein formelles Dinner vom Yacht Club statt. Schön angezogen trafen sich alle für ein Dinner am Hafen. Nach viel Wein und eher schlechtem Essen ging es wie immer am Ende feiern. Ein gelungener Abend und definitiv etwas das ich vermissen werde: diese perfekt sitzenden Anzüge bei den Briten ;).

An diesem Wochenende war auh Familie meiner Freundin zu Besuch - so ging es am Samstag mit einem Kater (und einem verstauchten Knöchel - hohe Schuhe) auf ins schöne Portwrinkle in Cornwall. Ein wunderschöner Ort. Mit dem Auto ging es danach in das süße Städtchen Cawsand und letztendlich abends zurück nach Plymouth zum Abendessen an den Royal William Yard. Mit wunderschönem Sonnenuntergang inklusive.

Am Sonntag ging es dann gemeinsam auf ins Dartmoor - und es war moorig. Mit nassen Füßen aber glücklich vom Sonnenschein und der frischen Luft ging es am Abend noch nach Wembury - meinem absoluten Liebelingsort. Ich warte immernoch verzweifelt darauf jemanden in Wembury kennenzulernen, um dort zu bleiben ;).

Und so war ein ganz tolles Wochenende auch vorbei und die Woche verging wie im Fluge bei viel Uniarbeit. Am Freitag ging es schließlich bevor meine Mutti am Abend ankommen sollte wieder nach Wembury - davon werde ich einfach nie genug bekommen - spontane Beachtrips sind das Beste.

Am Abend war es dann soweit. Meine Mutti sollte ankommen - und vor ihr lag ein anstrengendes Programm. Wir fuhren am ersten Tag nach Dartmoor - doch bevor bestiegen wir Smeaton Tower bei Sonnenschein. Am Nachmittag gab es Cream Tea und danach einen Spaziergang am Wasser bevor es am Abend in einen Pub gehen sollte.

Am zweiten Tag ging es früh am Morgen ins atemberaubende St. Ives - der schönste Ort in Cornwall. Man fühlt sich wie am Mittelmeer. Lassen wir Bilder sprechen...

Am letzten Tag stand nochmal ein langer Tag auf dem Programm: mit dem Bus ging es an Cornwall's Küste in der Nähe von Plymouth entlang. Vom rauen Whitsand Bay über Cawsand fuhren wir nach Mout Edgcumbe.

So schön es auch ist Besuch zu haben, so schön ist es auch wieder seinem Alltag nachzugehen. Aber Alltag stand erstmal nicht auf dem Programm. London was calling - und es war der absolute Wahnsinn. Ich bin begeistert von dieser Stadt. Nachdem wir am Dienstagabend gemerkt haben, dass wir statt um 6 Uhr morgens Mittwoch um 1 Uhr morgens losfahren, wurde es etwas hektisch. So stiegen wir um 1 Uhr in den Bus, kamen 7:30 Uhr in London an. Einen Blick in den Spiegel im Starbucks und den Kauf einer Oyster Karte später fand ich mich auf Londons Märkten, der Portobello Road (ja auf den Spuren von Hugh Grant), der Tower Bridge und auf einem Fahrrad am Big Ben vorbeifahrend wieder. Der Tag endete erschöpft aber voller Glück im St. James Park. Am nächsten Morgen ging es auf einen Aussichtsturm - und das frühe Aufstehen hat sich gelohnt: bei strahlendem Sonnenschein genossen wir den Blick auf die Stadt. Bevor es um 18 Uhr mit dem Bus zurück ging, lagen wir stundenlang im Green Park und beobachteten Leute - genau mein Ding. Ach London, du hast mein Herz. Und den Bus haben wir auf die Minute geschafft - don't trust me with the London Underground. Oh man, nicht mehr ganz so deutsch und pünktlich.

Nachdem wir aus London wiederkamen brach hier in Plymouth der Sommer aus und so nutzten wir das Wetter und saßen am Wasser. Am Wochenende besuchten wir eine Freundin, die in Süddevon in einer Küstenstadt wohnt - wunderschön dort.

Und ein Highlight jagte das nächste: Ostern nahte und so ging es bald Richtung Southhampton, um dann mit dem Boot Richtung Frankreich zu segeln. Am Freitagabend erreichten wir die Marina in Hamble von der wir am nächsten Tag auf unserer Hanse505 Richtung Poole starteten. Das Wetter war gnädig und so segelten wir einem wunderschönen Sonnenuntegang entgegen. Am nächsten Tag ging es nach Guernsey, wo wir dann einen ganzen Tag an Land verbrachten. Den Tag darauf ging es dann letztendlich nach Cherbourg - wir haben den Kanal also überquert. Cherbourg an sich war nicht so schön aber es gab die besten Pain au Chocolat die ich im leben gegessen habe. Ein Traum. Nach einem Nightsail erreichten wir am Donnerstagmorgen wieder Hamble von wo aus wir einen Tagesausflug machten mit dem Boot um am Abend wieder zurückzukehren. Am Freitag putzten wir das Boot und so kamen wir am Abend um viele Eindrücke reicher wieder in Plymouth an. Ohne Worte - ein bewusstseinserweiternder Trip mit toller Gesellschaft. Ein Erlebnis das ich mit Sicherheit nie vergessen werde.

Die Bilder sind (aufgrund der Speichergrenzen hier auf der Plattform) hier zu finden:

Segeln - Ärmelkanal

Und die Realität holte uns dann doch schnell ein: eine deadline jagte die nächste. Aber es wurde geschafft und so feierten wir das gestern Abend bei Risotto, homemade Sangria und Wein.

Und der Frieden im Haus von mir und meiner Freundin war zu perfekt - wir zwei und ein Haus für fünf Personen - jetzt haben wir eine "reizende" Mitbewohnerin. Sie ist chinesische Austauschstudentin. So weit so gut - kultureller Austausch und so ABER es folgt ein Knaller auf den anderen. Nach noch nicht mal einer Stunde, die sie bei uns wohnte, stank das Haus nach verrottetem Fisch - am zweiten Tag musste die Arbeitsplatte der Küche dran glauben - sie stellte einen heißen Topf drauf. Und so geht es munter weiter seit nunmehr einem Monat - traumhaft. Aber ist auch wieder nur eine Erfahrung und bringt etwas abenteuerlichen Charakter in unser doch schon fast spießiges ordentliches Haus

So jetzt habe ich mal zwei Monate Revue passieren lassen und merke: "Mensch, das ist das Leben das man leben sollte". Man sollte doch sein Leben so leben, dass man gar nicht flüchten möchte - neulich hatten wir ein Gespräch darüber wo man jetzt am liebsten sein würde und ich sagte: "There's no place I'd rather be" (Ich wäre nirgendwo lieber als hier). Und das ist doch die schönste Liebeserklärung an Plymouth und das Leben. Ich bin so dankbar hier so eine tolle Zeit mit vielen "beautiful souls" zu haben. Danke Leben, du bist einfach nur schön!

Ich melde mich bald wieder mit weitern Schmalzzeilen. Bis dahin haltet die Ohren steif und denkt an mich! Ich trinke heute Abend auf euch (ja Freitagnacht) :) xxx

Die Briten hautnah...

20März2017

Wie versprochen hier ein etwas anderer Beitrag. Ich möchte hier mit Mythen über England und Engländer aufräumen - oder sie auch zweifelsfrei bestätigen - also ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern. Das englische Studentenleben bekomme ich hier voll mit - und würde glatt behaupten voll integriert zu sein und konnte mir somit ein relativ umfassendes Bild schaffen. Ansonsten geht mein Leben hier munter weiter. Es passiert so viel - ich bin viel auf dem Wasser unterwegs momentan, da ich einen Segelkurs (für kleine Dinghy-Boote) mache und mich im Stand-up Paddling ausprobiere. Daneben läuft ja noch die Uni und sonstige Abendaktivitäten. In meinem neuen Haus fühle ich mich unglaublich wohl und es könnte kaum besser laufen momentan. Dazu mehr dann nächste Woche - ich muss erstmal ein paar Bilder sammeln, um auch visuell Eindrücke zu vermitteln. Dann starte ich mal mit den 10 Mythen über England bzw. die Engländer:

1. In England - insbesondere im Südwesten - regnet es andauernd und es ist immer grau.

Diesen Mythos kann ich absolut nicht bestätigen: dadurch, dass Plymouth unter dem Einfluss des Golfstroms steht herrschten hier sogar im Winter sehr milde Temperaturen - die Tage an denen ich mit der Mütze aus dem Haus musste kann ich an einer Hand abzählen. Bis Ende November hat es auch nur ein paar Mal geregnet - aber wenn es regnete, dann zog sich das schon zwei Tage. Aber die Tage, an denen Sonne schien (was die Mehrheit der Tage war) ließen diese Tage schnell in Vergessenheit geraten. Und der Fakt, dass ich bis jetzt immernoch keinen Regenschirm habe zeigt ja, dass es nicht so schlimm sein kann wie alle sagen. Und das schönste ist: wenn es in Plymouth tatsächlich mal regnet, dann erscheint im Anschluss häufig ein wunderschöner Regenbogen am Himmel.

Winter in Plymouth

2. Die britischen Häuser sind in desolaten Zuständen.

Diesen Mythos kann ich zum Teil durchaus bestätigen - Mäuse im Zimmer, Schimmel und Gerüche stehen im durchschnittlichen Reihenhaus auf der Tagesordnung. Von dunklen Flecken an den Wänden, Rissen in den Decken, harten Matratzen und kaputten Möbeln kann man vieles entdecken. Also ich übertreibe vielleicht etwas - aber mit deutschen Standards hat das echt wenig zu tun. Als ich Besichtigungen für mein Zimmer für das zweite Semester hatte habe ich Häuser gesehen in denen ohne Zweifel Horrorfilme gedreht werden könnten. Das eigentliche Problem sind dabei häufig auch die Mitbewohner, die von Drogendealern über Kettenraucher bishin zu extrem religiösen und zurückgezogenen Menschen alles sein können - englische Studentenhäuser sind immer ein Abenteuer. Aber das macht hier auch den Charme aus - und man gewöhnt sich an alles. Ich hatte sowohl mit meinem ersten Haus und auch jetzt wirklich großes Glück gehabt - und ohne diese Hausabenteuer wäre es ja auch kein echtes britisches Abenteuer.

3. Die Engländer mögen uns Deutsche nicht.

Glücklicherweise kann ich das absolut nicht bestätigen - meiner deutschen Herkunft wird eher mit Interesse begegnet - obwohl ich sagen muss, dass sie aufgrund meines guten Englisch oft nicht einmal merken, dass ich Deutsch bin oder mich für eine Amerikanerin halten. Aber selbst wenn Deutschland zur Sprache kommt werden so gut wie immer die deutschen Weihnachtsmärkte und interessanterweise die deutsche Technoszene (und vor allem das Berghain) erwähnt. Oft wurde ich gefragt ob wir Deutschen wirklich so ernst sind oder darauf angesprochen, dass wir ja sehr effizient in allem sind was wir machen. Beleidigend wurde es noch nie und die deutsche Vergangenheit unter dem Nazi-Regime wird ganz selten angsprochen. Thema ist vor allem oft das Brexit - so hat man doch in den meisten Fällen eher anregende Gespräche über die europäische Zukunft. Alles in allem fühle ich mich hier als Deutsche sehr Willkommen und mittlerweile gehört man einfach zu den "Briten" dazu und es wird fast ausgeblendet, dass man "ausländisch" ist.

4. Das Essen in England ist furchtbar.

Nun ja, das kann man jetzt nicht umfassend so sagen. Einerseits gibt es in Plymouth unzählige Fast-Food-Läden und Late-Night Imbisse, die Cheesy Chips und Pommes mit Currysauce anbieten aber andererseits gibt es an der Uni selbst in den Cafés nur Bio-Proukte und lokale Produkte - sehr nachhaltig. Auf dem Campus gibt es sogar ein Vegan-Café. In Plymouth selbst gibt es insgesamt viele sehr gute Restaurants, die qualitativ hochwertiges und auch gesundes und gutes Essen anbieten - aber das hat auch seinen Preis. Besonders am Hafen gibt es viele Läden, die außerordentlich guten Kaffee anbieten. Ansonsten essen meine britischen Freunde nicht viel schlimmeres Essen als wir deutschen Studenten - so gut wie jeder Student geht hier zum Aldi und da gibt es alles was das Herz begehrt - nur eben kein gutes deutsches Brot. Also das Vorurteil kann ich nicht ganz bestätigen - dennoch gibt es hier sehr sehr viele ungesunde Snacks und vor allem Late-Night Angebote, die super kalorienreich und ungesund sind.

5. Die Engländer gehören nicht zu den bestaussehendsten Europäern.

Ja man will ja eigentlich keine Vorurteile haben - aber seien wir mal ehrlich: Was kommt einem in den Kopf wenn man an die Attraktivität der Engländer denkt? Wohl meistens die "braungebrannten" Astralkörper der betrunkenen Engländer am Strand von Magaluf. Ich muss ja zugeben, dass ich dieses Vorurteil immer unterschrieben hätte und hatte ja etwas die Vermutung hatte in Plymouth in meiner gesamten Zeit vielleicht eine handvoll attraktive Menschen zu sehen. Aber wie sagt man so schön: unverofft kommt oft. Plymouth - wahrscheinlich, weil es eine Studentenstadt ist - ist voll mit wirklich attraktiven und gut gekleideten Männern (die Mädels sehen oft sehr künstlich aus und die Klamotten sind oft von Primark). Insgesamt kann man aber durchaus von gut aussehenden Menschen hier sprechen. Überraschend ist, wie gut sich die Jungs hier kleiden - wenn ein formelles Event ansteht, dann tauchen die Jungs gut und gerne im perfekt sitzenden Anzug und mit Fliege auf. Ich finde da könnten sich unsere deutschen Jungs mal eine Scheibe abschneiden. Und auch die Barber Shops (Friseure), die hier an jeder Ecke sind, sind immer gut gefüllt - also hier wird auf eine gut aussehende Mähne viel Wert gelegt. Und auch die Fitnessstudios sind hier immer voll mit ehrgeizig trainierenden Jungs und Mädels. Und eine besonderen Einfluss auf das lässige Aussehen vieler hier hat auch die Nähe zum Meer: Surferjungs wie Sand am Meer. ;-)

6. Die Engländer sind übermäßig höflich und entschuldigen sich viel.

Das kann ich absolut bestätigen - die Engländer entschuldigen sich sogar, wenn man sie anrempelt. Das angenehme hier ist, dass die Höflichkeit nicht gespielt ist - es ist komplett internalisiert. Sie wurden so erzogen und dadurch nimmt man es ihnen ab. Und diese Höflichkeit erschafft eine unglaublich positive Grundatmosphäre im alltäglichen Leben. Als ich im Februar in Deutschland war, wurde mir erstmal bewusst wie "unhöflich" Deutsche doch im Allgemeinen sind. Definitiv etwas, das ich aus England mitnehme - bitte, danke, Entschuldigung.

7. Die Engländer lieben Tee.

Oh ja das tun sie - nach dem zu urteilen, was ich von meinen Freunden und ehemaligen Mitbewohnern mitbekommen habe. Da führte eine leere Milch (die die Briten ja UNBEDINGT im schwarzen Tee haben müssen) bei einer Mitbewohnerin zu einer langen und hasserfüllten Nachricht und zu Wutanfällen. Ich glaube das zeigt eindeutig, wie besessen Engländer mit ihrem Tee sind. Im Haus fand man immer in jeder Ecke Schüsseln (!!!) voll mit alten Teebeuteln und auch die Teepackungen, die hier verkauft werden haben nicht 20 Beutel sondern gut und gerne mal 100 bis 200 Beutel.

8. Sie lieben ihre Queen.

Im alltäglichen bekommt man davon nicht viel mit - aber die Zeitungen hier sind schon mit Stories und Bildern der Royal Family geschmückt. Ich erinnere mich an eine Situation, in der eine ausländische Freundin im Gespräch mit unseren britischen Freunden anbrachte, dass ihr Dahinscheiden wohl interessante Veränderungen bringen könnte und die Reaktion der Britin war sehr geschockt. Allein nur an den möglichen Tod der Queen zu denken ist hier wohl tabu. Deswegen ist das Motto hier: Long live the Queen!

9. Sie trinken unglaublich viel Alkohol.

Viel ist gar kein Ausdruck. Die Menge an Alkohol, die hier an einem Abend getrunken wird ist immens und auch die Häufigkeit des Trinkens ist erschreckend. Ein britischer Freund von mir trinkt fast täglich - und geht fast jeden Tag aus. Aber das ist hier weniger ungewöhnlich als bei uns - das gesamte Studentenleben dreht sich hier um Abende in Pubs, Bars und Discos - um wöchentliche Clubtreffen mit Vorglühen für die Party danach. Und das ziehen viele Studenten hier ganze drei Jahre durch - aber das sieht man ihnen meistens schon nach einem Jahr an: die meisten Studenten hier sehen mit ihren 19/20 deutlich älter aus als ich mit meinen reifen 24. Ich muss sagen, dass die ersten Partynächte hier mich schon ziemlich geschockt haben aber erschreckenderweise gewöhnt man sich daran - und passt sich auch wirklich an (obwohl ich gerade eine Entgiftungswoche mache, die dringend nötig ist). Aber wie ist das - Erasmus ist nur einmal im Leben - von daher genieße ich die englische Freude am geselligen Trinken noch für ein paar Wochen.

10. Engländer bzw. Briten sehen sich nicht als Teil von Europa.

Das wird hier vor allem in Vorlesungen in der Uni immer sehr deutlich - man spricht oft über Europa als das "Andere". Das zeigt, dass die Briten sich selbst nicht als Teil von Europa sehen. Das wurde ja auch durh das Brexit deutlich - obwohl ich da betonen muss, dass diese Entscheidung sowohl von  Uni-Professoren als auch von Studenten und Schülern kritisch gesehen wird. Hier wird dies heiß diskutiert und ist allgegenwärtig, was zeigt, dass die Mehrheit hier realisiert welche großen Konsequenzen diese Entscheidung haben wird.

 

 

 

Geschichten schreiben - jeden Tag auf's Neue

17Feb2017

Die Zeit rennt - da waren eben noch Prüfungen, ein paar Tage frei, der Semesteranfang und mein Geburtstag - und plötzlich ist Mitte Februar und ich ziehe in 2 Tagen in ein neues Haus und fliege in einer Woche kurz nach Hause.

In der Zwischenzeit ist viel passiert: ich habe meine Prüfungen hier absolviert Ende Januar und dadurch etwa drei Wochen im Januar in der Bibliothek verbracht.Außer einem Käffchen auswärts war nicht viel drin.

Danach habe ich ein paar Ausflüge unternommen ins Umland: an einem Tag ging es wieder in Richtung Mount Edgcumbe, ein herrliches Fleckchen Erde. Alles ist unglaublich friedlich und gegen 15 Uhr fällt die Sonne so schön auf einen Hügel dort - magisch. Und es war kaum zu glauben aber dort blühten schon fröhlich sämtliche Sträucher und Narzissen. Ich liebe den englischen Südwesten - nicht mal Ende Januar hatte man hier das Gefühl von Winter. Obwohl es zugegebenermaßen in den letzten Wochen doch mal unter die 10 Grad Celsius ging - und es auch endlich mal typisch Englisch regnete - und das nicht zu knapp.

Ein weiterer Ausflug führte mich ins devonische Looe - bei schönem Wetter sicherlich eine reizende Küstenstadt - bei Wind und eisigen Temperaturen eher enttäuschend. Aber es gab eine nette Bäckerei mit schönen Ohrensesseln - das entschädigte.

Am letzten Januarwochenende gingen wir vom Segelclub aus auf einen Beach-Clean. Freiwilligenarbeit wird in England sehr groß geschrieben - das wird alles durch die Uni unterstützt und organisiert. Sehr beeindruckend. Und das kann sogar Spaß machen: bei bestem Wetter und strahlendem Sonnenschein reinigten wir den Strand im wunderschönen Portwrinkle von Plastik aller Art.

Dann begann in der ersten Februarwoche das zweite Semester und schnell wurde klar: die Kurse dieses Semester sind ziemlich furchtbar. Aber gut, da muss man durch. Langweilig ist kein Ausdruck.

Entschädigen tun auf jeden Fall wieder die zahlreichen Parties - und davon gab es im Januar und Februar bereits viele. Die Mottos der Parties reichten von Neon-Party bis zur Army-Party. Wie immer - ein Genuss diese Engländer im Nachtleben. Am Freitag und am Samstag zieht es uns dann meist in die SU - die Student's Union - den Studentenkeller der Studentenverbindung. Spätestens jetzt ist man wirklich angekommen - trifft Bekannte und Freunde in den Clubs und kennt Angestellte in den Clubs und Bars. Ja, Plymouth ist so langsam aber sicher ein "Zuhause".

Es macht sich auch langsam bemerkbar, dass Frühling wird. Am Royal William Yard fand beispielsweise ein Outdoor Food Market statt - passend dazu kann man im Anschluss durch die dort gelegenen Kunstgalerien schlendern.

Am ersten Wochenende nach dem Unistart zog es uns an einem Samstag ins schöne Mount Batten - dort nutzten wir den regenfreien Vormittag für einen kleinen Spaziergang. Plymouth's Umgebung enttäuscht mich nie - einfach ein lebenswerter Ort von landschaftlicher Sicht aus.

Als nächstes stand dann letzte Woche mein Geburtstag auf dem Programm. Noch von der Mittwochsparty verkatert feierten wir ganz entspannt in meinem Lieblingspub am Donnerstagabend in meinen Geburtstag rein. Wie 24 fühle ich mich absolut nicht - schon gar nicht in Plymouth, wo meine britischen Freunde alle deutlich jünger sind als ich. An meinem eigentlichen GeburtsTAG ging ich am späten Vormittag in mein Lieblingshipstercafé (ja gibt es in Plymouth) frühstücken und gönnte mir dann Kaffee und Kuchen am Hafen. Nach einem Spaziergang entlang des Hafens und der Promenade wurde mir in meinem neu entdeckten Café an einer Klippe mal wieder bestätigt, dass ich mich für mein Alter echt gut gehalten habe: ich wurde für einen Fruchtcider nach meinem Ausweis gefragt. Das ewige Mädchen eben. Den Abend verbrachte ich mit meinen liebsten Mädels vom Segeln - hübsch hergerichtet gingen wir in eines der besten Restaurants in Plymouth und fuhren anschließend in meinen Lieblingspub, wo wir bei Wein und Tee den Abend noch "classy" starteten. Doch das sollte sich dann in "North Hill" - unserem Uni-Party-Viertel- ändern. Mit freiem Sekt in einer Bar stieg der Alkoholpegel und wir tanzten bis in den Morgen ausgelassen in der Student's Union bis sich bei einer Freundin der Appetit nach fettigen Käse-Pommes (Cheesy Chips) bemerkbar machte. Und dafür gibt es in Plymouth nur eine Adresse: Jake's. Und dieses Niveau kann man nicht beschreiben - man muss es erleben. Die ersten zwei machten schlapp und so tanzte ich mit einer Freundin noch bis in die frühen Morgenstunden. Was für ein toller Tag und was für eine wahnsinnige Nacht - habe mich selten so gesegnet gefühlt wir an diesem Tag - ich habe wirklich die besten Menschen um mich hier, die mich konstant zum Lachen bringen.

Am Samstag trafen wir uns etwas verkatert zum Kuchenessen - um die Ereignisse der Geburtstagsnacht auszuwerten. So bleibt abschließend über das Geburtstagswochenende zu sagen: Wahnsinn - wer hätte gedacht, dass man mit 24 noch so viel Spaß hat und das Leben scheinbar jetzt erst richtig los geht.

Am Montag zog es mich - aufgrund der aufregenden Partynächte und dem Unistress - in mein geliebtes Dartmoor. Sonne, Ponnies, Moor und Wind - was will man mehr, um mal richtig abzuschalten. Aber das kann man nicht beschreiben - die Bilder können es vielleicht etwas ausdrücken.

Was Freundschaften zu Briten angeht - ich glaube ich habe wirklich die besten britischen Mädels kennengelernt. Selten so viel gelacht und auch unternommen. Am Mittwoch haben wir mal eine Puuse vom obligatorischen Partymittwoch genommen und eine "Sleepover" Party mit Pizza und allem Ungesunden gehabt. Und allein der Fakt, dass wir in einem Zelt im Zimmer geschlafen haben zeigt ja, dass sie einfach die besten Ideen haben.

So langsam macht sich bei mir etwas Melancholie breit - am Sonntag ziehe ich in mein neues Haus (darauf freue ich mich schon sehr). Auch wenn ich mich oft aufgeregt habe über 6 Mitbewohner, den Dreck überall und das kleine Zimmer - irgendwie wird man es vermissen. Es ist einer der ersten Abschiede hier - und Abschiede haben immer eine bittere Note. Besonders vermissen werde ich meine wunderschöne rote Haustür und meinen Blick über die Stadt wenn ich zur Uni laufe. Einfach so viele Erinnerungen, die man mit diesem Weg verknüpft - vor allem nach durchzechten Nächten. Aber ein neues Haus ist auch nochmal aufregend und ein neuer Start - ein neue Möglichkeit Erinnerungen zu schaffen. Wie sagte ich mal so schön: "Veränderung ist gut". Und das Zimmer ist sogar größer und ich habe nicht mehr so viele Mitbewohner. Um euch mal einen Eindruck zu vermitteln, habe ich mal ein kleines Video zusammengestellt, das meinen süßen Weg zur Uni zeigt. Seht selbst wie ich mich in meinem kleinen Plymouth auf den Weg zur Uni mache.

Der nächste Eintrag soll mal etwas anders werden und mal mit Vorurteilen gegenüber Briten aufräumen (oder sie bestätigen). Bleibt gespannt - und denkt mal an mich.

Die besten Grüße vom schönsten Ort der Welt (für mich) <3

Motto 2017: Weniger denken, mehr machen.

10Jan2017

...und die Umsetzung dieses Mottos funktionierte in den ersten 10 Tagen des Jahres überraschend gut. Viel zu oft verpasst man doch das Leben vor lauter nachdenken, ob alles, so wie man es macht, richtig ist. Aber was ist schon richtig? Mit 25 verheiratet zu sein, seinen vermeintlichen Traumjob zu haben und sein Leben die restlichen Jahrzehnte damit zu fristen, sich einzureden, dass da alles schon so "richtig" ist, nur weil es die Gesellschaft als allgemein richtig definiert. Ich will ja überhaupt nichts gegen diese traditionellen Lebenswege sagen, war ja selbst eigentlich mein ganzes Leben davon überzeugt und verurteilte Leute, die alleine verreisten und die Welt entdeckten und keinem geregelten Leben nachgingen. Aber war ich wirklich zufrieden? Rückblickend betrachtet war ich es nicht, habe mir oft nur eingeredet, dass ich es bin. Wieder, weil es nun mal "richtig" ist alles geordnet zu machen, meine Meilensteine im Leben abzuarbeiten. Manchmal wusste ich nicht warum ich so traurig oder bedrückt war, an manchen Tagen habe ich nicht mal gewusst, was ich in Zukunft erreichen wollte - obwohl ich das Bachelorstudium in Regelstudienzeit erfolgreich abgeschlossen habe und doch gerne mit Schülern arbeite. Ich hatte aber nie das Gefühl, wirklich zu wissen was ich wollte geschweigedenn wusste ich, wer ich bin und was mich glücklich macht - habe mich viel zu sehr darauf versteift mein Leben gemeinsam mit einer Person zu gestalten und habe dabei mich selbst verloren. 2017 ist deshalb dafür da, mich selbst zu finden: meine Ziele, Träume und meine Inspirationen zu entdecken und zu erfüllen. Und dafür sollte ich einfach weniger nachdenken - natürlich wie immer einen Funken Vernunft involvieren - aber eben vieles einfach machen. Denn was hat man zu verlieren außer, dass man sich eventuell verletzlich zeigt (was ich hier im Übrigen schon mache), Misserfolge einstecken muss oder auch mal frustriert ist vor lauter neuen Herausforderungen? Und selbst aus diesen vermeintlich negativen Erfahrungen kann man nur gewinnen: Und zwar Erfahrungen, Erfahrungen mit dem Leben, die einem helfen das Rätsel zu einem erfüllten Leben zu lösen. Und das Rätsel ist kompliziert. Kompliziert aber spannend. Und ich bin mittendrin - jeden Tag auf's Neue. Ich habe dieses Jahr viel vor: werde meine Masterarbeit schreiben und im September ins Schulpraktikum gehen und damit endlich das Studium abschließen. Was danach kommt - wer weiß das schon. Die Welt hat viele offene Türen und durch einige möchte ich noch gehen...

Das letzte Jahr habe ich entspannt und voller Seeluft ausklingen lassen. Ich verbrachte es mit einer Freundin an der Küste in Newquay, Cornwall. Neben langen Spaziergängen, gutem Kaffee, Wein und Essen vergingen die Tage wie im Fluge.

Den Silvesterabend genossen wir in diesem kleinen Surferstädtchen in vollen Zügen: wir gönnten uns Champagner (welchen man im Übrigen in England nicht in der Öffentlichkeit trinken sollte). Das letzte Jahr fand gebührenden Abschluss in einem Abend der ein verlorenes Handy, Pinguine, Tiger und Feuerwerk über dem Meer involvierte. Ein gelungener Abschluss für das alte Jahr und ein toller Start in das neue Jahr.

Wir landeten am 1. Januar 2017 gegen 4 Uhr morgens in unserem Hostelbett und freuten uns schon auf das, was wir uns gleich als erste Aktion für das neue Jahr vorgenommen haben: unser Neujahrs"dip" im Ozean. Und wir haben es durchgezogen. Es war kalt, sehr kalt. Aber es war jede Überwindung wert, denn es hat uns nicht nur erfrischt sondern das neue Jahr und all seine Abenteuer passend eingeläutet.

Abschließend wunderschöne Tage an Cornwalls Küste. In Newquay sind wir nach diesen Tagen auch keine Unbekannten mehr und so werden wir im Sommer zum Surfen und für einen Wein in unseren Lieblingspub zurückkommen (in dem es übrigens auch grandioses Steak gab).

Zurück in Plymouth warteten wieder die Verpflichtungen. Es kommen wieder Essays und Klausuren auf. Also wird es die nächsten Wochen im Januar noch mit Bibliotheksbesuchen weitergehen. Aber man versüßt sich das doch immer wieder mit einem Käffchen oder einem Spaziergang ans Meer.

Ich freue mich jetzt schon auf Ende Januar - da werde ich erstmal viele Unternehmungen machen und die Umgebung noch weiter entdecken - und natürlich wieder mehr weggehen. Das habe ich ja etwas schleifen lassen in den letzten Wochen wegen der ganzen Verpflichtungen.

Ich melde mich dann mit den neusten Geschichten aus Plymouth. Haltet bis dahin an allen Neujahrsvorhaben fest - ich werde es auch versuchen - weniger nachdenken - mehr machen und vor allem "mehr Gründe zum Lachen schaffen".

Veränderung 2016

29Dez2016

Bei Weihnachtsliedern in Dauerschleife - kurz nach Mitternacht auf dem Boden am Flughafen Bristol sitzend- kommen einem die besten Gedanken, um das vergangene Jahr zu resümieren und die Zeit bis zur Abfahrt nach Plymouth sinnvoll zu nutzen.

Ja, 2016, was soll ich zu dir sagen: von Anfang an hast du mich gefordert. Ich habe viel gesehen - Leute verloren aber dafür umso mehr tolle Menschen in meinem Leben gewonnen. Das Jahr kann ich wohl als das prägendste in meinem bisherigen Leben beschreiben. Veränderungen - sie machten mir nur Angst - aber mit etwas emotionalen und physischem Abstand kann ich resümieren, dass sie das sind, was das Leben spannend und erst richtig aufregend macht. Wohin wäre mein Leben gegangen hätte ich mich nicht für England entschieden? So richtig wusste ich nicht wo die Reise hingehen soll. Manchmal glaube ich da ans Schicksal - dass alles, was ich erlebe aus einem Grund passiert und jeder, den ich treffe für einen bestimmten Grund in mein Leben tritt. Aber das Leben versteht man (ich zitiere Steve Jobs) eben nicht vorwärts sondern rückwarts: Man muss daran glauben, dass sich alle Punkte irgendwann verbinden und alles Sinn ergibt. Bei mir verbinden sich so langsam die ersten Punkte und ich verstehe nun wozu Veränderungen - und auch Schwierigkeiten - im Leben gut sind: Sie fordern uns heraus und lassen uns über den Sinn des Lebens und unsere eigenen Ziele nachdenken, lassen uns über uns selbst hinauswachsen und geben uns die Möglichkeit uns selbst kennenzulernen. Ich realisiere jetzt erst so langsam wie sehr meine Zeit in Plymouth mich jetzt schon geprägt hat und wie verrückt dieses Jahr war - aber verrückt ist gut und macht glücklich. Ich glaube ich konnte noch nie so sicher sagen, dass ich wirklich ziemlich glücklich bin. Nie war ich lebensfroher und freue mich jetzt auf alles, was das Leben noch bereithält. Und das erste Mal im Leben bin ich so richtig allein, was anfangs sehr unheimlich war - aber man gewöhnt sich dran und ich muss jetzt sagen, dass ich es genieße mich mal nur auf mich zu konzentrieren. Single all the way, wenn man es so ausdrücken möchte.

So genug resümiert. Ich habe mich ja den ganzen Dezember nicht gemeldet - Schande über mein Haupt ABER es hatte den einfachen Grund, dass ich teilweise 14 Stunden pro Tag in der Bibliothek war. Ja so ist das, wenn man die ersten zwei Monate des Semesters lieber in anderen Lokalitäten als der Bibliothek verbringt. Es war aber auszuhalten - mit drei Kaffee am Tag und viel Nervennahrung habe ich am 15.12 alles abgegeben.

Am 8.12 hatten wir vom Yacht Club aus unsere Weihnachtsfeier, welche ein sogenanntes "Black Tie" Event ist - also es muss sich jeder schick anziehen. Die Feier fand im Royal Western Yacht Club statt. Standesgemäß läuteten wir den Abend mit Sekt ein und ließen uns vom Taxi dort hin chauffieren. Dort angekommen staunten wir nicht schlecht, wie schick alle angezogen waren und wie schön die Location war. Am runden Tisch sitzend aßen wir unser Christmasdinner - ganz traditionell natürlich mit Christmas Crackern (diese Knalldinger, die man auseinanderzieht). Aus diesen Crackern hat dann jeder eine Krone, die er natürlich auch aufsetzt. So saßen wir alle da mit unseren Krönchen und killten während des Essens die ein oder andere Flasche Wein. Danach startete der offizielle Teil der Veranstaltung und somit die Verleihung einiger Preise an herausstechende Clubmitglieder. Überraschenderweise gehörten ich und eine Freundin dazu. Ich war selten so überrumpelt - nach nur 3 Monaten im Club wurden wir als aktivste Mitglieder ausgezeichnet. Klingt nicht aufregend, war aber eine große Ehre unter tosendem Applaus nach vorne zu stolzieren und einen Club-Pullover geschenkt zu bekommen. Da dachte ich mir: " Wow, du bist hier echt angekommen und akzeptiert". Und das fühlt sich wirklich super an. Alles richtig gemacht bei der Clubwahl. Das bestätigte sich dann auch später am Abend: bei Musik der Uni Big Band schwungen alle ihre Hüfte über das Parkett. An Mitternacht ging es dann Richtung Bars und Clubs auf der Studentenmeile - bis spät in die Nacht tanzten wir bis uns die Füße qualmten. Ein wirklich gelungener Abend und würdiger Abschluss des Jahres - definitiv ein Abend an den man sich lange erinnern wird.

Die kleinen Highlights im Dezember waren meistens mit Kaffeetrinken und Spazierengehen verbunden - neben all dem Unikram. Bevor es am 21.12 nach Hause gehen sollte, war ich noch mit einer Freundin für einen Tag in Bristol. EIn entspannter Tag mit viel Laufen, Kaffee, Kuchen und Falafel.

Und so startete ich gut gelaunt am 21.12 Richtung Berlin, um für Weihnachten zu Hause zu sein. Das Weihnachtsfest war sehr entspannt, ich schlief viel und war aber heute auch wieder froh das Nest verlassen zu können und wieder "wegzufliegen" - in mein Leben hier.

Und so freue ich mich jetzt unheimlich auf meine Silvesterreise nach Newquay in Cornwall an der Küste. Davon berichte ich dann das nächste Mal.

Guten Rutsch und bis zum nächsten Jahr!

Entdecken.

28Nov2016

Die letzte Woche war davon geprägt, dass ich nach mehr als zwei Monaten mal aus Plymouth rausgekommen bin. "Rauskommen" hört sich glatt so an als ob ich froh gewesen wäre "endlich" diesem "Kaff" zu entkommen - doch ich muss gestehen, dass ich erst wieder in Bristol und Bath gemerkt habe, wie sehr mein Herz jetzt schon an dieser kleinen Küstenstadt hängt. Vielleicht ist die Architektur nicht ganz so schön wie die in Bath und vielleicht fehlt es in Plymouth an "hippen" Cafés und Märkten, die es in Bristol an jeder Ecke gibt, aber dennoch war ich selten glücklicher als am Montagabend, an dem ich wieder in meinem geliebten Plymouth ankam. Irgendwie ein ganz besonderer Moment, in dem mir viel klar geworden ist. Ich kam an der "Bus Station" im Dunklen an, an der ich vor mehr als zwei Monaten mit keinen Erwartungen und eher verschreckt ankam. Mittlerweile ein symbolischer Ort. Als ich dort vor 2 Monaten aus dem Bus stieg kannte ich keine Seele in dieser Stadt, war verwirrt über mein Leben und hatte etwas die Freude am Leben verloren. Was zwei Monate und ein Ortswechsel bewirken können, kann ich jeden Tag kaum fassen. Heute laufe ich durch Plymouth, sehe an jeder Ecke Bekannte, habe viele interessante Leute und auch Freunde kennengelernt, habe meine Stammkneipen, Lieblingscafés und -plätze und bereits jede Menge lustige, verrückte und unvergessliche Erinnerungen an meine Zeit hier. Ja, es fühlt sich wie Zuhause - sogar wie ein neues Leben - an. Um einen roten Faden beizubehalten, verweise ich mal auf eine Stelle aus dem neuen Song der LUMINEERS: "If you don't leave this town, you might never make it out" (Wenn du deine Stadt nie verlässt, schaffst du es nie raus (in die weite Welt)). Es geht darum auch mal was aufs Spiel zu setzen, verrückt zu sein und die Welt zu entdecken, das Gewohnte zu verlassen um Neues zu entdecken. Ich habe mich getraut die Heimat zu verlassen; hatte Angst vor allem Neuen und hätte nie gedacht ein Abenteurerherz zu haben. Doch ich habe den Schritt gewagt - das Gewohnte verlassen, um etwas Neues und Spannendes zu entdecken. Und bereits jetzt kann ich resümieren: Es hat sich gelohnt, denn ich habe mein Abenteurerherz entdeckt, von dem ich nicht mal wusste, dass es existiert.

Genug mit dem obligatorischen emotionalen ersten Abschnitt: Kommen wir zu den harten Fakten. Die letzte Woche war relativ unspannend. Das einzige Highlight war wieder eine Party vom Segelclub aus, die natürlich wieder unter einen ganz besonderen Motto stand: Anything but clothes. Das heißt man darf alles außer Kleidung tragen. Wer denkt sich sowas nur aus. Da ich ja kein Spielverderber bin, habe ich mich natürlich ins Zeug gelegt. So ernteten wir für unser Outfit vom Taxifahrer an dem Abend nur einen abfälligen Kommentar, dass er uns ja gerne sagen würde, dass wir gut aussehen, wir es aber nicht tun. Gut, wie soll man auch im Müllbeutel gut aussehen. Aber das ist ja nicht der Sinn hinter solchen Parties, sondern enfach nur der Spaß daran.

Am Freitag ging es dann für mich um 16:40 Uhr mit dem National Express Richtung Bristol, wo ich am Abend eine Freundin aus Deutschland traf. Unsere Herberge hatte ich vorher schon alleine bezogen - und mal wieder war dies sehr abenteuerlich, denn der Weg dorthin war relativ gruselig. Und wenn dann an der Ecke der Straße gefühlt 10 Mercedes-Autos stehen und fragwürdige Personen davor, dann will man lieber nicht wissen, welche Geschäfte dort abgewickelt werden. Am Samstag machten wir uns auf Entdeckungstour in Bristol. Der öffentliche Verkehr funktionierte dort ganz gut und war auch relativ günstig. So starteten wir unseren Tag bei einem leckeren Stück Kuchen vom Wochenendmarkt am Hafen. Danach schlenderten wir durch die Gassen und über den St. Nicholas Market, auf dem es alles Mögliche an Essen gab. Leider regnete es an diesem Tag und so flüchteten wir in ein Café bevor wir zur berühmten Clifton Suspension Bridge fuhren. Dort angekommen bot sich uns ein toller Ausblick auf die Brücke und das Tal, welches unglaublich tief war. Danach entschieden wir uns aufgrund des regnerischen Wetters in die Arts Gallery zu gehen. Am Abend schauten wir uns die Brücke nochmal im Dunklen an und bewunderten die schönen Lichter. Nachdem wir nur den Kuchen zum Frühstück hatten, wurde der Hunger immer größer und so landeten wir zufällig in einem sehr urigen und schönen Pub, welcher exzellentes Essen servierte. Neben eher älterem Publikum und schreienden Rugby-Fans aßen wir unseren Burger und beobachteten das Geschehen.

   

Am Sonntag stand ein Ausflug in das nahgelegene Bath an. Nach etwa einstündiger Busfahrt durch das Bristoler Umland erreichten wir am Vormittag das Städtchen, das für sein Roman Bath bekannt ist. Für einen deftigen Touripreis von sage und schreibe 13 Pfund sahen wir uns die Römischen Bäder an. Wirklich schön - aber nicht atemberaubend. Zum Glück regnete es an diesem Tag nicht und so spazierten wir durch das architektonisch sehr schöne Bath - sahen uns die berühmte Brücke an und genossen von einem Hügel aus den Ausblick auf Bath. Ansonsten kann man in Bath vor allem eins: Shoppen. Es war aber unglaublich voll und so entspannten wir lieber in einem der süßen Cafés in der Innenstadt. Zurück in Bristol ließen wir den Abend bei Pizza und Gin Tonic ausklingen. Am Montag goss es leider wie aus Eimern und wir gingen lediglich noch etwas bummeln bevor ich um 14 Uhr in meinen Bus stieg und meine Freundin sich in Richtung des Flughafens aufmachte.

Die Woche war dann relativ unaufgeregt bis auf den Deienstagabend, an dem das Passenger Konzert in Plymouth anstand. Ein schönes Konzert aber nicht so toll wie das der Lumineers. Danach ging es zu einem Geburtstag und die Nacht dauerte doch etwas länger als geplant. Der Rest der Woche verlief ruhig. Am Freitag nutzte ich das tolle milde Wetter, um zu meinem liebsten Platz zu fahren: Wembury Beach. Dort den Sonnenuntergang zu sehen hatte schon was. Den Freitagabend verbrachte ich ganz fleißig in der Bibliothek. Am Samstag ging ich spontan segeln und vorher den besten Kaffee in der ältesten (!!!) Bäckerei in England trinken. Auch der Sonntag verlief relativ ruhig und so verbrachte ich viel Zeit in der Bibliothek.

 

Bis Weihnachten wird es jetzt die nächsten drei Wochen nicht mehr so spannend: neben dem Winterball und einigen Parties und kleinen Ausflügen stehen nur die ganzen Essays auf dem Plan. Also LANGWEILIG, aber was muss, das muss. Ich melde mich dann vor Weihnachten nochmal und dann heißt es für eine Woche: HALLO DEUTSCHLAND! :)

Angekommen.

14Nov2016

Wieder sind fast zwei Wochen vergangen - Zeit, um mich mal aus meiner neuen Heimat zu melden. Warum Heimat? Weil Plymouth für mich wie ein Zuhause geworden ist - zwar ohne Familie - dafür aber mit neuen Hobbies, Freunden und Traditionen. Ich fühle mich endgültig angekommen und freue mich unglaublich auf alle kommenden Abenteuer. Für Weihnachten bin ich absolut nicht bereit - das kann gerne noch warten - auch wenn ich mich wirklich darauf freue meine Eltern wiederzusehen.

Jetzt weg von dem emotionalen Gesinge: ihr wollt ja wissen, was ich hier so gemacht habe. Am Wochenende vom 4. bis zum 6. November fuhr ich mit dem Segelclub auf einen Wochenendcruise. Am Freitagabend legten wir mit zwei Booten und einer Crew von insegsamt 12 Personen Richtung Cawsand ab. Das war mein erstes ganzes Wochenende auf einem Boot. Voller Aufregung packte ich mir alle warmen Sachen ein, die ich besaß. Und dies sollte nicht mal reichen: es war unglaublich kalt auf dem Boot - aber das gehört wohl dazu. Den ersten Abend ließen wir bei gutem Essen, Wein und Spielen im Boot, welches in Cawsand geankert hatte, ausklingen. Ich ließ es mir trotz der Kälte nicht nehmen, bei Dunkelheit an Deck zu liegen und in die Sterne zu schauen. Dies sollte mit 3(!!!) Sternschnuppen belohnt werden. Das sind diese Momente in denen man einfach voller Glück denkt, alles richtig gemacht zu haben.

Am nächsten Morgen wachte ich gegen 7 Uhr auf (froh darüber nachts nicht erfroren zu sein) und ging an Deck. Was sich mir bote war mitunter das Schönste und Friedvollste, was ich bisher sah. Im Morgensonnenschein blickte ich auf Plymouths Bucht in der Ferne, auf Cawsand Beach und auf die Weite des Wassers. Ich setzte mich hin und genoss diesen einsamen Moment - der Rest der Crew schlief noch.

Verschlafen frühstückten wir alle und machten und dann auf den Weg Richtung Salcombe - einem wunderschönen Hafenstädtchen in der Nähe von Plymouth. Der Wind war an diesem Tag nicht so stark und so erreichten wir nach ruhiger Fahrt gegen 16 Uhr Salcombe. Auf dem Weg dorthin genoss ich das Wellenrauschen und den Ausblick auf die Klippen, an denen wir vorbeifuhren. Nach dem Abendessen setzten wir uns mit allen in einen Pub und vergaßen bei viel Wein und Cider den eigentlichen Grund für unseren Trip: Die Feuerwerke anlässlich der Guy Fawks Night. Aber das war nicht so traurig - es war ein unglaublich lustiger Abend - auch ohne Feuerwerk. In eisiger Kälte spielten wir dem anderen Boot noch einen Streich - das ist wohl so Tradition auf solchen Boottrips.

Sonntagmorgen wachte ich völlig durchfroren auf und es zog mich sofort in Salcombes schöne "Innenstadt". Ich schlenderte alleine durch die noch einsamen und sonnendurchfluteten kleinen Gassen der Stadt; kaufte etwas zum Frühstück und Kaffee, welcher nach zwei Nächten auf einem Boot "well needed" war. Etwas übermüdet und ein bisschen verkatert steuerten wir danach wieder Plymouth an. An diesem Tag war der Wind stärker und so erlebte ich zum ersten Mal, wie schauklig es doch werden kann. Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, mir wäre nicht ein kleines bisschen schlecht geworden. Aber man muss ja immer mal an seine Grenzen kommen, um zu spüren, dass man noch lebt. Gegen 16 Uhr erreichten wir Plymouth; wir räumten das Boot aus, säuberten alles und so erreichte ich gegen halb sechs mein schön warmes Zimmer. Diese Art von Müdigkeit und Geschafftheit hatte ich so noch nicht gespürt - war noch wacklig auf den Beinen. Nach einer heißen Dusche schlief ich bis zum nächsten Tag durch und wachte Montag völlig erholt und vom Wochenende etwas gebräunt auf.

Die Woche in der Uni lief wie gewohnt: Kurse, Bibliothek und abends hier und da mal ein Cider - obwohl ich am Montag das erste Mal vor dem Mittag einen Cider trunk. Also anscheinend bin ich langsam richtig britisch.

Am Donnerstag stand das Highlight der Woche an: eine Freundin aus Potsdam kam zu Besuch. Ich holte Sie gegen halb 11 von der Coach Station ab und schleppte Sie danach zur "BBC Jam Night" in die Student Union. Das ist eine Veranstaltung bei der Musiker für jeweils 20 Minuten die Chance bekommen ihr Können unter Beweis zu stellen. Bei einem Cider lauschten wir der Musik und gingen dann nach Hause.

Am Freitag spielte das Wetter mit: Bei strahlendem Sonnenschein liefen wir durch Plymouth und nahmen gegen Mittag die Fähre Richtung Mount Edgcumbe, wo wir im Sonnenschein unseren Lunch zu uns nahmen. Dann wanderten wir durch die herbstliche Landschaft und trafen unterwegs Eichhörnchen und Schafe. Bei schönstem Ausblick auf Plymouth genossen wir den Augenblick. Spontan entschieden wir uns dann statt der Fähre mit dem Bus zurück nach Plymouth zu fahren - 1:30 Stunde fuhren wir durch das ländliche Cornwall, vorbei an der wunderschönen Küste. Schließlich gönnten wir uns dann am Nachmittag einen Creamtea am Hafen in Plymouth bevor wir am Abend gemütlich essen gingen.

 

Am Samstag starteten wir den Tag mit einem English Breakfast bevor wir mit dem Bus Richtung Dartmoor fuhren. In Dartmoor wanderten wir bei diesigem Wetter durch das Moor - vorbei an Ponies, Schafen und dem weiten Ausblick auf die Wiesen. Nach etwa drei Stunden wandern genossen wir ein Eis vom Eiswagen - im November und in der "middle of nowhere". Abends aßen wir Burger im Pub, tranken Pimm's und gingen schließlich etwas feiern.

 

Und so war das Wochenende schon fast vorbei. Am Sonntagmorgen verabschiedeten wir uns am Busbahnhof - ein komiches Gefühl, denn ich hatte überhaupt keine Lust mit nach Deutschland zu fahren. Da merkte ich: Du bist hier angekommen. Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen, an dem ich im Moment sein möchte. Mit dieser Gewissheit lief ich in der Morgensonne durch Plymouth's Straßen hoch zur Waterfront, an der ein Memorial Service für den Remembarance Day abgehalten wurde. Very british. Nach einem Kaffee am Hafen genossen wir bei einem Spaziergang das herrliche Wetter - unglaublich, dass das November sein soll.

Am Abend sollte ich etwas kennenlernen, was auch sehr britisch ist: ein Roast Dinner - das ist hier wohl eine Institution am Sonntag. Bei Yorkshire Pudding, Rinderbraten und viel Gemüse ließen wir den Abend entspannt ausklingen. So fiel ich abends völlig zufrieden und "angekommen" in mein Bett. Und habe jeden Abend ein Lächeln auf den Lippen, weil ich weiß: Alles ist so gut wie es lief. In diesem Sinne: denkt mal ab und an mich. Ich melde mich demnächst mit weiteren Abenteuern aus England.

 

Der ganz normale Wahnsinn

02Nov2016

Nun habe ich schon wieder etwas länger nicht von mir hören lassen. Aber wie sagt man immer so schön: wenn man nichts von jemandem hört, dann ist meistens alles gut? In diesem Fall stimmt das auf jeden Fall. So sehr ich Deutschland mag, meine Uni mag, meine Freunde und Familie mag: im Moment vermisse ich absolut nichts (vielleicht gutes Brot aber das kann ich durch Knäckebrot ganz gut ersetzen).

Es ist ein super Gefühl morgens aus meinem britischen Reihenhaus rauzugehen, die Möwen im Hintergrund zu hören, die Sonne über den Dächern der Stadt aufgehen zu sehen, in den hunderten von Studenten auf dem Campus unterzugehen und trotzdem jeden Tag sicher festzustellen, dass die Entscheidung nach Plymouth zu kommen, eine der besten Entscheidungen des Lebens war. So unordentlich meine Mitbewohner auch sind, so laut die Nachbarn auch sind, so hässlich unser Bad ist und so klein mein Zimmer auch sein mag - es bringt mich einfach nichts aus der Ruhe. Vielleicht ist das die Nähe zum Meer und die salzige Luft, die mich innerlich zur Ruhe kommen lässt oder einfach der räumliche Abstand zur Vergangenheit in Deutschland.

In den letzten Tagen merke ich, dass England der Beginn einer neuen Zeit für mich ist - eine Zeit des "Über-sich-Hinauswachsens", eine Zeit der Abenteuer, verrückten Aktionen und eine Zeit, in der ich alles Neue versuche (siehe Segeln) oder ehrgeizig daran arbeite wieder an alte Hobbies anzuknüpfen (siehe Tennis). Wie Clueso es schon in seinem neusten Song besingt: "Man kann den Wind nicht ändern. Nur die Segel drehen". Also egal was das Leben mir in letzter Zeit gegeben hat ich habe die Segel gedreht und segle gerade auf grandiosem Kurs. Und um die besten Neuigkeiten gleich mitzuteilen: wenn bürokratisch alles klappt, bleibe ich wahrscheinlich noch ein weiteres Semester. Ich freue mich schon jetzt auf alle Abenteuer, Erfahrungen und alle Herausforderungen, die auf mich zukommen.

Jetzt zu allem, was die letzten Wochen so los war. Vor zwei Wochen hieß es am Mittwoch wieder: SEGELN. So langsam hat man den Dreh raus und kommt sich nicht mehr ganz so nutzlos vor. Zum Glück war unser Skipper mal Segellehrer für Kinder von 5-6 Jahren und war somit genau auf unserem Niveau. Jedes Mal wenn ich vom Wasser komme, fühle ich mich wie neugeboren. Nach kurzer Fährüberfahrt zurück nach Plymouth vom Wassersportzentrum flaniere ich immer kurz über den Barbican (Hafenareal mit Restaurants), um dann völlig benebelt von der Salzluft und völlig durchfroren in meinem Studentenhaus ins Bett zu fallen.

Na gut, so läuft es meistens nicht, da abends immer was los ist. An dem Mittwoch stand die "Baywatch" -Party vom Segelclub an. So weit so gut: eigentlich wollten wir nicht so viel trinken, aber es führt eben immer eins zum anderen.

Am Samstag stand dann im Rahmen des Segelns unser "Ladies Day" auf dem Programm. Der begann damit, dass wir Mädels mit Booten auf's Wasser herausfuhren und bei angenehmen Temperaturen einander kennenlernten. Nach ein paar Stunden auf dem Wasser machten wir uns alle zurecht und fuhren mit der Fähre herüber in die Stadt, um aus unseren individuell angefertigten "Ladies Day"- Gläsen pinken Schnaps zu trinken. Lustig sind sie ja die englischen Mädels. Nach ein paar Cocktails zog es dann die meisten nach Hause - ich hielt natürlich bis in die Morgenstunden durch (was sich am Sonntag rächen sollte). Am Sonntag war ich von der Woche so geschafft, dass ich es lediglich schaffte, einen Cream Tea zu genießen - aber auch mal schön nichts zu tun.

Da der Montag frei war und die Sehnsucht nach Dartmoor immer größer wurde, stieg ich schon vor um 9 in den Bus Richtung Yelverton, um schon vor Mittag in den Mooren umherzuwandern. Immer wieder bezaubernd dieser Ort. Auch wenn es regnete - es kann nichts trüben - es macht es eher noch spezieller. Dartmoor muss neblig und grau sein - und am besten noch verregnet. So aßen wir unser Mittag im Regen - mitten in Dartmoor. Pures Englandfeeling.

Den Dienstagabend verbrachte ich mit Freundinnen vom Segeln im Royal William Yard. Das ist eine sehr "poshe" Gegend am anderen Ende der Stadt mit schönen Restaurants und einem tollen Ausblick auf Plymouths Waterfront. Lebensqualität ist auch, wenn du den Abend mit deinen liebsten Freunden auf der Dachterasse (die du gerade neu entdeckt hast) deines Lieblingspubs verbringst - und das Ende Oktober ohne dicke Jacke. Am Freitag stand eine kleine Halloweenparty an: Wir schnitzten unsere Kürbisse. Mein Talent bewies ich mal wieder und hatte neben einem Schnitt im Finger auch den zweithässlichsten Kürbis.

Samstag stand bei herrlichstem Wetter wieder Segeln auf dem Programm - man könnte meinen das Wetter will hier einfach schlechter werden. Den Abend ließen wir aufgrund der angenehmen Temperaturen wieder bei einem Cider auf der Dachterrasse des Pubs ausklingen (na gut und danach noch im Studiclub :D). Am Sonntag ging ich endlich mal wieder Tennis spielen - und auch das noch im T-Shirt.

Am Montag war es endlich so weit - Halloween. Ausgerechnet an dem Tag hatten wir bis 17 Uhr Uni - danach musste es schnell gehen. Bei einer Freundin schminkten wir uns alle und zogen dann jeweils zu Hausparties weiter. Am Ende waren wir auf einer großen Halloweenparty im Club - feiern können die Engländer - stelle ich jede Woche auf's Neue fest.

Da mein Dozent so schlau war und seine Exkursion auf den Tag nach Halloween legen musste - stand ich nach gefühlt einer Stunde Schlaf um 8:30 in der Uni. Wer feiern kann, kann auch arbeiten.Im Rahmen unseres Citizenship-Seminars besuchten wir eine Stiftung, die sich um Ausgegrenzte aus der Gesellschaft kümmert - ein einzigartiger Ansatz, den diese Stiftung hat. Mit viel Herz und Engagement berichteten Sie von ihren Projekten - toll, dass die Uni hier auch das wahre Leben zeigt.

Am Abend stand dann das große Highlight an: die LUMINEERS waren in town. Das Konzert dieser amerikanischen Band war noch viel besser als erwartet - endlich eine Band, die sich live besser anhört als auf CD. Der Wahnsinn einfach. Und um ein "Lifegoal" abzuhaken: ja der Frontman ist durch die Menge gegangen und ich alter Groupie habe ihn angefasst. Zwar nicht an der bravsten Stelle aber wer kann schon von sich behaupten den Frontmann der Lumineers am Hintern angefasst zu haben. Frech sein - das muss auch geübt sein. Wie ist das immer auf solchen Abenteuern wie hier: Tu jeden Tag was Verrücktes. Ja habe ich gemacht.

Wie man merkt - es wird hier einfach nicht langweilig. Ich hoffe ja mal langsam drauf, weil mein Konto an Schlaf immer kleiner wird. Aber ich beschwer mich mal nicht, spaßig ist es allemal. Und es ist der erste Mittwoch seit langem an dem ich mal zu Hause bin und brav an meinem Blog und allem anderen arbeite - also ich werde ruhiger ;).

Am Wochende geht es auf einen dreitägigen Segeltrip und dann kommt eine Freundin aus Potsdam zu Besuch - davon dann der Bericht beim nächsten Mal.

Bis dahin, denkt an mich und lasst es euch gut gehen. Cheers von der Insel.

Schönste Zeit

18Okt2016

Wie es Bosse schon in einem seiner Songs besingt, werde ich es wahrscheinlich auch zurück in Deutschland besingen: "Das war die schönste Zeit". Zum Glück IST es im Moment noch die schönste Zeit. Schöner kann ich mir das Leben kaum vorstellen - wer hätte das gedacht nach all dem Stress in diesem Jahr. Aber vielleicht auch gerade deswegen - scheinbar fängt MEIN Leben jetzt erst so richtig an.

Die letzte Woche war unimäßig wie immer relativ unaufgeregt - man geht zu seinen Vorlesungen, liest vorher und nachher etwas und verbringt etwas Zeit in der Bibliothek. Letzte Woche hatte ich Mittwoch. Donnerstag und Freitag keine Uni. Den Mittwochvormittag verbrachten wir damit ein paar Accessoires für unser "Cops and Robbers" Social zu finden - hier läuft die ganze Woche immer auf dieses eine Event hinaus. So gingen wir am Mittwoch als Polizistinnen verkleidet zum Social und die Nacht wurde länger als gedacht - die Mittwoche hier sind immer sehr verrückt.

Trotzdem stand ich am Donnerstag um 8 (!!!) Uhr auf und nahm zusammen mit zwei Freunden um 10:45 Uhr die Fähre nach Mount Batten. Von dort aus starteten wir unsere kleine Wanderung über den South West Coast Path zum Bovisand Beach. Das Wetter meinte es gut mit uns und so wanderten wir bei angenehmen Temperaturen und Sonne an der schönen Küste entlang - mit Ausblick auf mein wunderschönes Plymouth. Die Stadt ist mir nach einem Monat schon richtig ans Herz gewachsen und ich identifiziere mich auch mit der Stadt und der Uni. Was genau Plymouth so toll macht? Das kann ich nicht mal sagen - es ist vielleicht dieser Mix aus Meer, Meeresbrise, Uni, Cider, Parties, Sport und den Leuten, der die Stadt zu dem macht was sie schon jetzt für mich ist. 

 

Am Freitag stand ein größerer Ausflug auf dem Plan: es sollte um 9:25 Uhr mit dem Zug Richtung Cornwall gehen. Das genaue Ziel nennt sich St. Ives und ist ein kleiner Ort an der Küste, der durch hellen Sandstrand und schönes blaues Meereswasser begeistert. Wir schlenderten entspannt durch St. Ives und ließen die Atmosphäre des Städtchens bei herrlichem Sonnenschein auf uns wirken. Natürlich durfte bei einem Besuch in Cornwall auch das Cornish Pasty zum "Lunch" nicht fehlen. Die Engländer fahren ja darauf ab - mein Ding ist diese Kalorienbombe aus Mürbeteig gefüllt mit Kartoffeln, Käse, Zwiebeln und Fleisch nicht. Aber man soll ja alles mal probieren. Spontan entschieden wir uns noch eine Runde zu wandern - mit dem Ergebnis, dass wir nach dem Motto 2-1-Risiko auf Bahngleisen landeten. Einen Zaun, unzählige Male Herunterschlittern an Hängen und vielen Stacheln an Büschen später waren wir wieder zurück in St. Ives und genossen einen Cornish Cider am weißen Sandstrand - fühlte sich wie Urlaub an. Die etwa dreistündige Heimreise im Zug vorbei an Cornwalls Countryside genossen wir ganz entspannt und freuten uns auf einen Abend im Pub mit Livemusik.

Der Samstag hielt leider schlechtes Wetter bereit und so war das Highlight des Tages der Französische Abend mit den Erasmus-Studenten. Bei Tarte, Mousse au Chocolat und Wein ließen wir es uns gutgehen. Aber very british machte ich mir einen Pimm's, den ich schon in Deutschland zu gerne getrunken habe.

Den Sonntag startete ich um 11 Uhr mit einem ausgiebigen Frühstück in einem Pub in meinem Viertel "Mutley". Ein sehr schöner Pub, der in entspannter Atmosphäre, leckeres Frühstück und schwarzen Tee servierte. Im Pub waren nur Loclas - so  fühlt man sich doch richtig angekommen. Auch wenn ich das Gefühl nicht loswerde hier doch immer der Exot zu sein. Das Wetter sah gut aus und so machten wir uns spontan auf den Weg nach Wembury - einen meiner Lieblingsorte rund um Plymouth. Eine halbe Stunde aus Plymouth raus kommt man in einem verlassenen Dorf an, der außer ein paar Häusern und einem Pub nur den Strand bietet. Bei strahlendem Sonnenschein, frischem Wind und vollkommener Zufriedenheit beobachteten wir die Surfer, die die an diesem Tag großen Wellen nutzten. Die Nähe zum Meer trägt hier viel zur Lebensqualität bei - die Leute gehen dort mit ihren Hunden spazieren, grillen dort mit der Familie oder genießen einfach den Blick auf das Wasser. Ein rundum gelungener Sonntag.

Die Woche startete ich mit einer 9 Uhr Vorlesung und endete den Montag mit ein paar Drinks in der Student Union - ein Club, der günstige Getränke und die Gelegenheit bietet ganz "casual" für ein Stündchen das Tanzbein zu schwingen. Das Gute ist, dass ich immer nur etwa 10 Minuten nach Hause laufe.

Mal sehen, was die Woche jetzt so bereithält: ich lasse von mir hören. Ein doppeltes Cheers! :)

 

 

 

 

Auf dieser Seite werden lediglich die 10 neuesten Blogeinträge angezeigt. Ältere Einträge können über das Archiv auf der rechten Seite dieses Blogs aufgerufen werden.